Mein Tag beim Atemschutz
Es ist Samstag Morgen, knapp nach halb neun. Dunkelheit und grosse Hitze überall um mich herum. Unser Vorstoss kommt ins Stocken. Es wird noch heisser. Los, weiter! Schliesslich ist es kaum zehn Minuten her, seit ich gelernt habe, dass man auf der Treppe nicht stehen bleiben soll. Warum? Der Kamineffekt trägt die Hitze über die Treppen nach oben, was rasch zu heiss wird. Der vorige Trupp hat auf dieser Treppe aufgegeben. Kein Wunder, es brennen zwei lodernde Feuer im Stockwerk unter uns. Unser Trupp hat einen Rekognoszierungsauftrag auf dem zweiten Boden. Nach ein paar Sekunden schon geht es weiter. Ich bin froh, dass die Brandschutzkleidung meines Vordermannes mit Reflektoren bestückt ist. Keine Armlänge entfernt kann ich sie nur noch schemenhaft ausmachen. Ich gehe im Kopf das heute früh Gelernte durch: immer geduckt bleiben, nicht auf den Boden knien, nirgends anlehnen und den Kameraden nicht an den Kleidern berühren. Der Truppführer voraus, wir ihm nach, tasten uns durch die engen Räume und finden tatsächlich das Ziel des Auftrages. Endlich: Rückzug! Über die Treppe zurück, vorbei am ersten Feuer, raus in die „kühle“ Sommerluft. Wir sind ausser Atem, ziehen mit den Handschuhen die (nach wie vor heissen) Atemschutzmasken aus. Tief Luft holen, Kleidung nicht berühren.
Drei Stunden früher, 05.30 Uhr, im Feuerwehrmagazin Däniken. Noch schläfrig lausche ich den Erklärungen des Wachtmeisters Reto Schneeberger, welcher mich ausrüstet und mir die Atemschutzgeräte in einer Schnellbleiche erklärt. Heute bin ich als ressortverantwortlicher Gemeinderat Schnupperstift bei den Atemschützern. Ziel ist ein Ausflug in die Atemschutzausbildungsanlage Wangen a.A., gemeinsam mit den Atemschutztrupps der umliegenden Feuerwehren. Ich freue mich, dass die Feuerwehrleute mich mitnehmen.
Es beginnt früh am Morgen. Der vorne beschriebene Hitzestollen ist der zweite von vier „warmen“ Posten. Mein persönlicher Höhepunkt ist aber das „Brandhaus.“ Hier darf ich als Greenhorn den Posten des Rohrführers einnehmen und bin somit ganz vorne. Im Untergeschoss brennen wiederum zwei Feuer, die bekämpft werden müssen. An der Decke sind Flammen. Rauchgase beginnen bei einer Brandhitze von ca. 300 Grad Celsius zu brennen. Ein heisser Brand also. Ich bin fasziniert und halte den Kopf freiwillig unten. Dass ich mit Intervalversprühen von Wasser das Feuer unter Kontrolle bringen kann und dem Trupp den Vorstoss in den zweiten Raum frei mache, macht mich schon etwas stolz.
Bilanz nach ein paar Stunden Brandschutzausbildung für einen Rookie: von Anfang bis zum Ende tolle kameradschaftliche Stimmung, zirka 3 Liter Flüssigkeit in kürzester Zeit getrunken, Erschöpfung, eine Hitzerötung am linken Fuss, die neuste Anschaffung der Gemeinde (Hitzeschutzmasken) selber ausprobiert, ein paar tolle Erfahrungen mehr und noch mehr Respekt vor der Leistung der Feuerwehrfrauen und –männer.
Nach vollbrachtem Tageswerk sind Fahrzeuge, Material und Kleidung retabliert und wieder einsatzbereit im Magazin eingelagert. Hoffentlich für die nächste Übung und nicht den Ernstfall. Derweil begeben sich die Feuerwehrleute und ich zum zweiten Teil der Übung: der „Wärme“ am Grill und was sonst zur Kameradschaft noch gehört. Für mich geht nach dem erfrischenden Bier und dem Steak ein abenteuerlicher, kameradschaftlicher und spannender Tag zu Ende. Seither spiele ich mit dem Gedanken, mich zur Neueinteilung am 22. November 2010 zu melden.
Die nächsten Termine für Interessierte und die Däniker Dorfbevölkerung:
29. Oktober 2010: Hauptübung
22. November 2010: Neueinteilung
Markus Spielmann, 1. Juni 2010
